„Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“: Stuttgarter Kinofilm dreht auf dem Cannstatter Volksfest

Langfilmdebüt von Moritz Schreiner mit Johanna Döhler und Tom Wlaschiha entsteht überwiegend auf 16-mm-Film – zahlreiche Drehorte in Stuttgart

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Langfilmdebüt von Moritz Schreiner mit Johanna Döhler und Tom Wlaschiha entsteht überwiegend auf 16-mm-Film – zahlreiche Drehorte in Stuttgart und Baden-Württemberg

Zwischen Fahrgeschäften, Feststraßen und Schaustellerwohnwagen entstehen auf dem Cannstatter Volksfest weitere Szenen für den Kinospielfilm „Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“. Das Langfilmdebüt des Stuttgarter Regisseurs Moritz Schreiner wird von der royal.film gmbh in Stuttgart produziert. In den Hauptrollen sind die 16-jährige Para-Leistungsschwimmerin Johanna Döhler und Tom Wlaschiha zu sehen. Gedreht wird überwiegend auf analogem 16-mm-Film.

Nach ersten Dreharbeiten in Stuttgart und der Region, auf den Fildern, in Göppingen, München und Frankreich kehrt die Produktion für einen weiteren Drehblock in ihre baden-württembergische Heimat zurück. Der Cannstatter Wasen bildet im Film jene Jahrmarktwelt, in der die junge Pia ihren seit Jahren entfremdeten Vater Andreas wiederfindet.

Coming-of-Age, Vater-Tochter-Drama und Roadmovie

„Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“ verbindet Elemente eines Coming-of-Age-Films mit einem Vater-Tochter-Drama und einem Roadmovie. Im Mittelpunkt steht Pia Schwarz, eine junge blinde Leistungsschwimmerin, die kurz vor dem Erwachsenwerden steht.

Pia bewegt sich mit einer eigenen inneren Kartografie aus Geräuschen, Gerüchen, Berührungen und Widerständen durch ihre Umwelt. Als sie erfährt, dass sich an ihrer Blindheit nichts mehr ändern wird, beschäftigt sie zunehmend eine andere Form des Verlusts: Die Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter beginnen zu verblassen. Geblieben sind einzelne Fragmente – französische Musik, ein Sommerkleid, Wasser, ein Pool und die Erinnerung an ein Ferienhaus in Frankreich.

Pia macht sich auf die Suche nach diesem Ort. Dafür muss sie ausgerechnet ihren entfremdeten Vater Andreas wiederfinden, der als Schausteller in einer Motorrad-Steilwandshow arbeitet. Auf einem Jahrmarkt begegnen sich Vater und Tochter nach langer Zeit wieder. Aus der schwierigen Begegnung entwickelt sich eine gemeinsame Reise nach Frankreich.

Auf der Fahrt durch Dörfer und Landschaften, über Autobahnen und Landstraßen, an Tankstellen und Rastplätzen, kommen zwei Menschen einander wieder näher, die sehr unterschiedliche Erinnerungen an dieselbe Familie mit sich tragen.

Stuttgart und Baden-Württemberg sind dabei mehr als Kulisse: Hier beginnt Pias Geschichte, hier liegen ihr Alltag und ihre Beziehungen. Von hier aus setzt sich ihre Reise schließlich Richtung Frankreich in Bewegung.

Johanna Döhler vor ihrer ersten Kinofilm-Hauptrolle

Eine besondere Besetzung ist Johanna Döhler. Die 16-Jährige ist hochgradig sehbehindert, Para-Leistungsschwimmerin und steht mit „Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“ erstmals in einer Hauptrolle vor der Kamera.

Für die Rolle der Pia wurde über einen längeren Zeitraum gesucht. Zum Casting kamen blinde und sehbehinderte ebenso wie sehende junge Frauen, professionelle Schauspielerinnen ebenso wie Kandidatinnen ohne klassische Schauspielausbildung.

Döhler überzeugte mit ihrer Direktheit vor der Kamera, ihrem Humor und ihrer Präsenz in stillen Momenten. Dass sie selbst Leistungsschwimmerin ist, erwies sich im Verlauf des Castings als zusätzlicher Bezug zur Figur.

Ihre eigene Erfahrung fließt auch in die Arbeit am Film ein. Bewegungsabläufe einer Leistungsschwimmerin müssen von ihr nicht dargestellt werden, sondern sind Teil ihrer tatsächlichen Erfahrung. Auch Fragen der räumlichen Orientierung und Wahrnehmung entstehen aus ihrer eigenen Perspektive.

Döhler nahm bereits mit 14 Jahren an den Paralympischen Spielen 2024 in Paris teil und erreichte über 400 Meter Freistil in der Klasse S13 den neunten Platz. Auch während der Dreharbeiten bleibt sie aktive Leistungssportlerin. Zwischen den beiden Drehblöcken wechselte sie zurück in Trainings- und Wettkampfbetrieb und startete im September bei den Para-Schwimm-Europameisterschaften in Kocaeli, wo sie über 400 Meter Freistil in der Klasse S14 den siebten Platz erreichte.

Ensemble mit Tom Wlaschiha, Ludwig Trepte und Bettina Zimmermann

An Döhlers Seite steht ein erfahrenes Ensemble. Tom Wlaschiha übernimmt die Rolle ihres Vaters Andreas. Bekannt ist er unter anderem aus „Game of Thrones“, „Stranger Things“, „Das Boot“ und „Crossing Lines“.

Zum Ensemble gehören außerdem:

  • Ludwig Trepte
  • Bettina Zimmermann
  • Anna Stieblich
  • Kya-Celina Barucki
  • Yoran Leicher
  • Sogol Faghani
  • Ilyes Raoul
  • Alexander Schubert
  • Pascale Schiller
  • Sandra Steffl
  • Giovanni Francesco

Damit trifft eine junge Hauptdarstellerin ohne klassische Schauspielausbildung auf ein Ensemble aus etablierten deutschen Darstellerinnen und Darstellern sowie jüngeren Talenten.

Stuttgart und Baden-Württemberg als Produktionsstandort

Auch hinter der Kamera ist der Film eng mit Stuttgart und Baden-Württemberg verbunden. Ein großer Teil der Crew stammt aus Stuttgart und der Region. Regie, Kamera, Szenenbild, Ton, Produktion, Regieassistenz und weitere Gewerke sind mit Filmschaffenden aus Baden-Württemberg besetzt. Auch Teile der Postproduktion und der technischen Infrastruktur sind regional verankert.

Zu den bisherigen Drehorten gehören unter anderem das Stadtbad Heslach, die Charlottenklinik für Augenheilkunde in Stuttgart, das ALB FILS KLINIKUM in Göppingen und das Haus auf dem Killesberg des DRK. Fahraufnahmen entstanden außerdem auf einer Landstraße bei Filderstadt mit Unterstützung des dortigen Ordnungsamts.

Für die Produktion ist die regionale Verankerung nicht nur eine Frage des Standorts. Stuttgart soll im Film als konkreter Lebensraum von Pia sichtbar und hörbar werden – von Schwimmbad und Wohnräumen bis zu Straßen, Kliniken und Jahrmarktsmotiven.

Unterstützung aus der Region

Die Produktion wird von zahlreichen Partnern in Stuttgart und Baden-Württemberg unterstützt. Eine zentrale Rolle spielen die Landeshauptstadt Stuttgart und die Stuttgarter Bäder. Unterstützt wird das Projekt zudem durch die Film Commission Region Stuttgart und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH.

Für die aktuellen Dreharbeiten auf dem Cannstatter Volksfest arbeitet die Produktion eng mit der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft, der Festleitung und zahlreichen Schaustellerbetrieben zusammen.

Gerade für eine kleinere Kinoproduktion sind solche Kooperationen eine wichtige Voraussetzung, um komplexe Motive realisieren zu können – insbesondere dann, wenn Schwimmbäder, Kliniken, Straßenräume oder ein laufender Volksfestbetrieb Teil der filmischen Handlung werden.

Der Cannstatter Wasen wird zur Filmwelt

Im September steht nun der Cannstatter Wasen im Mittelpunkt der Dreharbeiten. Der Festplatz übernimmt im Film die Rolle jener Jahrmarktwelt, in der Pia ihren Vater wiederfindet.

Gedreht wird unter anderem zwischen Feststraßen und Buden, an einem Wahrsagerzelt und einem Schießstand, am Cannstatter Wellenflug sowie hinter den öffentlichen Bereichen zwischen den Schaustellerwohnwagen.

Die Wahrnehmung des Festplatzes wird dabei stark aus Pias Perspektive erzählt. Durchsagen, Musik, Stimmen, Fahrgeschäfte, Gerüche und die Bewegung der Menschen werden zu Bestandteilen ihrer Orientierung. Auch das Riesenrad prägt die nächtlichen Außenaufnahmen.

Ein Teil der Szenen entsteht bewusst zu später Stunde. Wenn der Festbetrieb ruhiger wird und sich hinter den öffentlichen Bereichen die Arbeits- und Lebenswelt der Schaustellerinnen und Schausteller öffnet, entstehen die längeren Begegnungen zwischen Pia und ihrem Vater.

Gedreht auf 16-mm-Analogfilm

Regisseur Moritz Schreiner und Kameramann Kyrill Ahlvers drehen den Film überwiegend auf 16-mm-Analogfilm.

Die Wahl des Materials steht dabei in engem Zusammenhang mit dem Thema des Films. „Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“ erzählt von Erinnerungen, die sich verändern und verblassen, und von Bildern, die nicht immer vollständig oder eindeutig sind. Filmkorn, Licht, leichte Unschärfen und die spezifische Materialität des analogen Films werden bewusst als Teil der Bildsprache eingesetzt.

Auch die Arbeitsweise am Set verändert sich durch das analoge Format: Das Filmmaterial ist begrenzt, Einstellungen werden entsprechend sorgfältig vorbereitet und Takes bewusster ausgewählt.

Gleichzeitig verbindet die Produktion analoge Filmtechnik mit modernen Verfahren. Für ausgewählte Auto- und Reiseszenen nutzt das Team die mehr als 100 Quadratmeter große LED-Wand der VG Media Studios in Laichingen bei Ulm und arbeitet mit Virtual Production. Reale Locations, Fahraufnahmen, 16-mm-Material und virtuelle Produktionstechnologie werden so miteinander kombiniert.

Von Stuttgart über München nach Frankreich

Die Reise des Films führt auch produktionell über mehrere Stationen. Nach dem ersten Drehblock in Stuttgart und Baden-Württemberg entstanden weitere Aufnahmen in München, darunter Szenen an einer realen Motorrad-Steilwandshow. Anschließend drehte das Team im französischen Valence, wo das Finale des Films entstand.

Mit dem aktuellen Drehblock auf dem Cannstatter Wasen kehrt die Produktion noch einmal nach Stuttgart zurück. Hier beginnt im Film die Suche nach dem Ferienhaus aus Pias Kindheit – und damit die Reise, die Vater und Tochter schließlich nach Frankreich führt.

Kinostart für Herbst 2027 geplant

Nach Abschluss der Dreharbeiten stehen für das Team zunächst Schnitt sowie Bild- und Tonpostproduktion an. Anschließend folgen die weitere Festival- und Kinoauswertung.

Der Kinostart von „Wie weit fliegen Vögel, bis sie fallen?“ ist nach aktuellem Plan für Herbst 2027 vorgesehen.

  • Regie: Moritz Schreiner
  • Drehbuch: Moritz Schreiner & Lotta Elenor
  • Produktion: royal.film gmbh, Stuttgart
  • Produzent: Moritz Schreiner
  • Ausführender Produzent: Marko Massinger
  • Kamera: Kyrill Ahlvers
  • Szenenbild: Thomas Stromberger / Andrea Lindner
  • Tongestaltung: Rüdiger Fleck
  • Kostümbild: Jessica Rank

    Bilder: royal.film GmbH