38. Französischen Filmtage
Bild: Französische Filmtage Tübingen/Stuttgart

38. Französischen Filmtage

Das größte Schaufenster des frankophonen Films in Deutschland findet live und online statt.

Raus aus der Blase. Weg mit den Schubladen. Schluss mit den immer engeren Nischen. Wenn Thomas Pesquet, der Astronaut und Protagonist des Films „16 levers du soleil“, vom All aus auf die Erde blickt, dann sieht er einen einzigen, wunderschönen Planeten. Ohne Nischen, Schubladen und Blasen für immer mehr und immer kompliziertere Identitäten. Einfach eine Erde für alle.

Die 38. Französischen Filmtage haben diesen Blick zu ihrem Programm gemacht. In diesem Jahr wollen wir über Sinn und Unsinn von Identitätskultur nachdenken. Schafft eine immer größere Ausdifferenzierung in immer mehr soziale und kulturelle Identitäten mehr Gerechtigkeit oder grenzen wir uns damit nur immer weiter ab und damit auch aus?

Alles ganz einfach

Dazu passt eine radikale Vereinfachung des Programms. Es wird keine Themenschwerpunkte mehr geben. Das größte Festival des frankophonen Films im deutschsprachigen Raum zeigt aktuelle Filme aus der gesamten Frankophonie. Der Länderschwerpunkt gilt in diesem Jahr Quebec und das frankophone Afrika ist prominent vertreten. Das Institut Français steuert wieder einige Filme bei, die das französische Kino auf besonders eindrückliche Weise repräsentieren. Voilà tout.

 „Wir halten unser Publikum für so schlau, dass es sich seine Filme selbst aussuchen kann und wir nicht sagen müssen: Das ist ein Frauenfilm oder ein Ökofilm oder ein LGBTQQ+*-Film. Vielleicht landet dann der eine oder die andere in einem Film, den man sonst nie ausgewählt hätte -  dazu ist Kino schließlich da“, meint Festivalleiter Christopher Buchholz.

Diskussionen und Wettbewerbe

In der Diskussionsreihe geht es dementsprechend um Meinungsfreiheit, Toleranz, Fanatismus, aber auch um Quebecer Autochthone und Nachhaltigkeit.

Im Internationalen Wettbewerb konkurrieren neun Debütfilme um den Filmtage-Tübingen-Preis, im Französischen Wettbewerb wird der Verleihförderpreis, gestiftet von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, Unifrance und OFAJ/DFJW, verliehen. Der Preis geht an den Verleih, der den Film in die deutschen Kinos bringt. Die Französischen Filmtage sind nicht nur ein großes Schaufenster des frankophonen Films in Deutschland, sondern wollen auch über das Festival hinaus ein Sprungbrett für den französischsprachigen Film in Deutschland sein.

Im Kino und im Netz

Auch in diesem Jahr ist wieder ein Festival geplant, das sowohl im Kino als auch online stattfindet. Natürlich hoffen das Filmtage-Team und Christopher Buchholz sehr, möglichst viele Menschen im Kino begrüßen zu dürfen, Gäste einzuladen, zu diskutieren, Livemusik zu hören und sich in den Festivalkneipen treffen zu können – kurz, ein Filmfest feiern zu können, das für viele Menschen in und um Tübingen längst eine Art fünfte Jahreszeit ist.

Aber erstens weiß niemand, inwieweit die Pandemie den Filmtagen einen Strich durch diese Rechnung machen könnte und zweitens ist ein Onlinefestival auch eine schöne Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die nicht eine Woche lang jeden Abend in Tübingen ins Kino gehen können. Es war im letzten Jahr eine große Freude, sehen zu können, dass Zuschauerinnen und Zuschauer aus ganz Deutschland auf diese Weise die Französischen Filmtage besuchen konnten.

Deshalb werden zahlreiche – nicht alle – Filme und Diskussionen online gezeigt und vom 11. bis zum 18. November wird das Online-Festival freigeschaltet. Schulkinofilme können ab dem 8. November online angeschaut werden.

Für den Länderschwerpunkt Quebec gehen voraussichtlich beeindruckende fünfzehn Filme an den Start! Eine perfekte Gelegenheit, den frankophonen Teil Kanadas durch die Kamera Quebecer Filmemacher*innen kennen zu lernen.

Filmtage für junge Leute

Auch die 38. Französischen Filmtage legen wieder besonderen Wert auf das junge Publikum. Jugendjurys in Stuttgart und Tübingen wählen für den Preis der Jugendjury Filme aus, die insbesondere ein junges Publikum ansprechen. Ein Schülerkurzfilmwettbewerb und ein Workshop zum Filmemachen motivieren junge Leute, selbst aktiv und kreativ zu werden. Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist das Schulkino, das von Expertinnen der Filmdidaktik professionell begleitet wird und für das umfangreiches Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt wird. Außerdem bekommen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, mit den Gästen zu diskutieren. Die Filme des Schulkinos werden ab dem 8. November auch online zu sehen sein, sodass Schulen in ganz Deutschland von diesem besonderen Angebot profitieren können.

Ein Cinéconcert mit musikalischer Uraufführung, die Präsentation der großen französischen Animations-Produktionsfirma „Sacrebleu“, ein „Kulinarisches Kino“ und manches mehr runden das diesjährige Filmtageproramm ab. Dieses Mal gibt es hoffentlich wieder ein richtiges Festival!

Mehr Infos gibt es auf der Website des Festivals.

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