Foto: Film Commission Region Stuttgart
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Ein Leben zwischen Kunststoff, Gips und Bienenwachs

Ob in den USA, Russland, Indonesien, Holland, Dänemark oder auch hier in Deutschland – im Atelier von Jörg Steegmüller sind schon etliche Figuren entstanden, die nun auf der ganzen Welt in Freizeitparks stehen oder in Filmen mitgespielt haben.

Zählen kann er die vielen Skulpturen schon gar nicht mehr, die er in den über 38 Jahren intensivstem Puppenbauens bereits modelliert hat. Doch das ist noch längst nicht alles. Er ist ein echtes Multitalent, denn neben den bereits entstandenen tausenden von Figuren, stellt Steegmüller auch Walking Acts sowie Schaumodelle her. Er ist Maskenbildner, Puppenspieler und steht manchmal sogar selbst vor der Kamera. In Ostfildern-Ruit, wo sich das Atelier befindet, sind beispielsweise das VfB-Maskottchen Fritzle, Räuber Hotzenplotz, das Sandmännchen, Katzenleichen für den von der FFL Film- und Fernsehlabor Ludwigsburg produzierten Kinofilm“ Schmidts Katze“, aber auch das Schaumodell des neuen Hotels Krønasår  im Europa Park sowie die neue Wasserwelt Rulantica entstanden. Für die neue Kinder-Attraktion im Europa Park „Jim Knopf-Reise durch Lummerland“, die an den Kinofilm angelehnt ist, hat Steegmüller die animatronisch-technischen Figuren hergestellt. In einem Zeitraum von nicht einmal sechs Monaten wurden alle sieben Figuren gefertigt. Das Besondere daran ist, dass die Schauspieler selbst diesen die Stimmen geliehen haben. „So spricht zum Beispiel Uwe Ochsenknecht meinen König Alfons, Henning Baum meinen Lukas, Annette Frier meine Frau Waas, Christoph Maria Herbst meinen Herr Ärmel und Solomon Gordon meinen Jim“, erzählt Steegmüller stolz.

Auch wenn es manchmal sehr stressig ist, bereut er es nicht einen Tag, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Dann erinnert sich Steegmüller an seine frühen Anfänge zurück, da er auch heute noch eine große Verbindung zu den vielen erfundenen Figuren aus seiner Kindheit hat.

Schon als vierjähriger wurde er durch das Fernsehen und die Bücher inspiriert und versuchte die Figuren entweder genauso nachzubauen oder erfand auf Grundlage dieser neue Figuren. Die Motzbanane gehörte dabei zu den allersten Figuren, die Steegmüller entwickelt hat. Der Grundkörper bestand aus einer Pappe, umwickelt mit Wolle und den auf Pappe aufgezeichneten Augen. Vorab dachte er sich auch schon viele Geschichten aus, die sein Vater für ihn aufgeschrieben hat. Anschließend las er ihm diese vor. „Da habe ich bereits gemerkt, wie ich mit den Figuren und Geschichten Emotionen erzeugen kann und das war wohl die Basis, die mich bis heute fasziniert“, erklärt Steegmüller. Im Laufe der Zeit entstanden immer mehr Figuren und Geschichten, wie z. B. die selbstgezeichneten Fridolin-Comics oder ein Film über seine Lehrer.

Nach der Schule wurde er auf das Berufskolleg für angewandtes Grafikdesign aufgenommen, merkte jedoch schnell, dass er den Beruf des Grafik-Designers nicht ausüben wollte. Bereut hat Steegmüller die drei Jahre allerdings nicht, denn das Zeichnen und Malen ist die Basis vom Modellieren. Nach seinem staatlichen Abschluss reiste Steegmüller mit seinem Vater, der Schauwerbegestalter ist, ein Jahr lang und unterstütze diesen. Während dieser Zeit bewarb er sich bei der Firma Heimo Animated Attractions in Jagsthausen. Er wurde sofort eingestellt und kam in die Bildhauer-Abteilung. Zwei Jahre lang war er dort Einzelschüler des iranischen Bildhauer - Professors Mehran Pourbijan. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, so Steegmüller. 2000 wagte er schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Es folgten sofort erste Aufträge, unter anderem für das Celebrity Deathmatch von MTV, den Freizeitpark Tripsdrill oder für den Kinofilm „Der  Patriot“ mit Mel Gibson.

Sogar Ikonen wie Nick Maley, welcher für die Episode V von Star Wars unter anderem den Yoda mechanisiert hat, kam vier Mal zur gemeinsamen Zusammenarbeit ins Atelier. Das war für den großen Star Wars Fan ein echtes Highlight. In seiner Jugend hatte er bereits mit zwei Schulfreunden einen eigenen 70 minütigen Star Wars - Stop – Motion – Film mit 63 Kulissen und über 300 selbstgebauten Figuren gedreht. Gemeinsam haben Steegmüller und Maley den Yoda modelliert und als Puppe gebaut, exakt wie er damals war. Mittlerweile steht dieser in Nick Maleys privatem Museum.

Seit drei Jahren ist er außerdem für die Soko Stuttgart tätig. Dafür hat er schon die unterschiedlichsten Sachen gefertigt. So stellte Steegmüller etwa letzte Saison eine große, böse Bauchrednerpuppe her oder Stuntwaffen, die gefährlich echt aussehen. Für die aktuellen Dreharbeiten ist er wieder mit einer Skulptur beauftragt worden. Was das allerdings ist, darf noch nicht verraten werden.

Auch wenn Steegmüller bereits viele seiner Wunschfiguren gebaut hat, gibt es trotzdem noch einen Traum, den er sich im Moment erfüllt. So entstehen in Zusammenarbeit mit dem Kinderliederproduzenten Michael Frielinghaus verschiedene Puppen, die schlussendlich in einem Musikvideo zu wunderschönen Kinderliedern tanzen sollen.

„Es macht mir Freude, die Menschen glücklich zu machen und die Kinder zu inspirieren, so wie mich damals das Fernsehen und die tollen Bücher inspiriert haben“, so Steegmüller. 

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